Fri 18.10.2019

DANNY GILES BAND & THIRSTY MAMAS (DOPPELSHOW)

Jetzt gehts los! “More Is More” ist das Debütalbum von The Danny Giles Band. Bevor es zu dieser Platte kam, hat sich die Londoner Combo Jahre auf den europäischen Bühnen getummelt und aus meiner Sicht einen ganzen Sack voll Erfahrungen gesammelt. Der Vollständigkeit halber muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass 2009 bereits eine EP (“The Danny Giles Band”) mit drei Titeln erschienen ist. Bei RockTimes sorgte er bereits dreimal für erhöhte Aufmerksamkeit. Beim Gig in Groesbeek (Blues Moose Café), auf dem Blues in Zyfflich-Festival und schließlich als vorzüglicher Gitarrist in der Live-Gruppe von Will Wilde im blues, Rhede.
Der Einsatz in den Stronghold Studios hat sich definitiv gelohnt, denn unter dem Strich der Kritik ist dem Quartett ein herausragendes Album gelungen. Im Schlagzeuger Pat Garvey hat der Frontmann, auch was das Songwriting angeht, einen kongenialen Partner, denn alle zehn Songs wurden von den beiden Musikern geschrieben. Vom Fundament beeindruckender Kompositionen hat man für prächtige Arrangements gesorgt und obwohl es sich um ein Studio-Album handelt, ist den Nummern ein gewisser Live-Charakter nicht abzusprechen.
Bei den genannten Konzerten hat man The Danny Giles Band bisher als Trio erleben dürfen. Auf “More Is More” ist mit Emerson Quiros ein Keyboarder dabei. Seine Teilnahme bringt phasenweise eine andere Sichtweise auf so manche Songs, die man bereits live erleben durfte. So werden gerade die ruhigeren Abschnitte in “Been There Twice” zu einem schwebenden, auf einem Luftkissen gleitenden Genuss. In diesem Track schwingt die Dynamik das Zepter. Für den Tasten-Zauberer gibt es auf den Scheibe ausreichend Gelegenheit, sich persönlich in Szene zu setzen.
Danny Giles macht eine enorme Entwicklung. Sein Gesang ist reif, seine emotionalen Äußerungen auf dem Sechssaiter sind famos, machen Eindruck und gehen unter die Haut.
Ob Wah Wah-Pedal oder Bottleneck … auf dem Arbeitsgerät sorgt der Protagonist mit seinen Gitarren-Stafetten für Faszination. Danny Giles überzeugt durch höchst abwechslungsreichen Blues Rock, kreiert in den Balladen, langsamen Teilen anderer Lieder subtile Töne und macht mit seinem Rock ein richtiges Fass auf.
“Don’t Go Messin'” gehört zu den überirdischen Hymnen der Band. “Shiver”, eine relaxt groovende Nummer mit einem feinen Seitenblick auf den Jazz kann nur im Fotofinish als zweiter Sieger ausgemacht werden. Ein himmlisches Stück, das man nicht mehr vergisst und sich immer wieder darauf freuen kann. Mag der Ausflug in die jazzige Sparte des Blues etwas weltgewandt sein, spielen Danny Giles & Co. auch den Blues der Straße.
Man kommt aus dem Schwärmen gar nicht wieder heraus, denn “Smokin’ From The Pipe” ist angesagt. Leicht fernöstlich angehauchtes Ambiente sorgt für Entspannung. Die Dobro umgarnt die Gefühle des Hörers und wenn die Nummer etwas Fahrt aufnimmt, hat man im Blues-Zug Platz genommen. Durch den schweren Rhythmus von Pat Garvey sowie Jon Chase scheinen die Abstände der Schienen erheblich zu sein. “Smokin’ From The Pipe” … schon wieder ein Fixstern auf der Platte!
Diese Veröffentlichung ist eine Offenbarung. Von kantigem bis geschmeidigem Blues hat “More Is More” alles im Gepäck. “Love Is The Law” ist die zeitlose Ballade der Platte und spätestens nach dieser Nummer wächst das Verlangen, The Danny Giles Band auch mit dem Tastenmann Emerson Quiros live zu erleben. Gitarrist und Keyboarder ergänzen sich auf diesem Album prächtig.
Die CD befindet sich im Fadenkreuz der guten Laune. “More Is More” ist eine Party. Da die Band schon verdammt viel auf der Bühne aktiv war, sollte sie dieses Album aus der Geheimtipp-Sparte katapultiert haben.

Rocktimes Joachim ‘Joe’ Brookes

Die Thirsty Mamas

Thirsty Mmas 2017

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Die fünf Mitglieder der Hamburger Bluesrockband Thirsty Mamas spielen einen explosiven und wilden Bluesrock, der den Spagat zwischen traditionellem Blues und modernen Rocksounds mit sehr viel Spielfreude und Können meistert.

Dafür sorgen eine charismatische Stimme (Stefan Schneider – Gesang und Gitarre), kraftvolle Bluesrock-, Slide- und Lapsteel-Gitarrensounds (Hans Torlée – div. Gitarren), fette Blues-Harps (Mike Jaedke – Harps), und ein massiv drückendes Fundament (Vicente Hernando – Bass und Sam Rusty – Schlagzeug). Alle Bandmitglieder sind erfahrene Praktiker mit langjähriger Bühnenerfahrung.

Warum späteste Band?

Fünf Männer aus Hamburg, zusammen rund 250 Jahre alt, spielen seit ein paar Jahren wieder DIE Musik, von der sie in ihrer Jugend geprägt wurden. Sie haben in den achtziger, in den neunziger Jahren andere Musik gemacht, sie haben studiert, sie haben beruflich Karriere gemacht, sie sind durch die Welt gereist, sie haben Kinder großgezogen, sie haben auch lange Perioden mit der Musik ausgesetzt und irgendwann . . . . . irgendwann haben sie wieder zu ihren Instrumenten gegriffen und sich zu einer Band formiert. Und da das ist noch nicht lange her ist, nennt man sie Hamburgs – nein, nicht älteste, beileibe nicht – aber Hamburgs späteste Band.

Welche Art von Musik spielen die Thirsty Mamas?

Wie schon oben angedeutet: sie spielen die Musik, von der sie in ihrer Jugend geprägt wurden. Die Thirsty Mamas haben Titel in ihrem Repertoire, die Blues- und Rockkennern durchaus bekannt erscheinen, aber die Mamas sind keine Coverband. Die Mamas spielen kaum nach und wollen dies bald gar nicht mehr tun. Sie zitieren, paraphrasieren und interpretieren wie ihre Vorbilder, als da wären Canned Heat oder ZZ Top, Eric Clapton oder Johnny Winter u.v.a. Sie vertiefen sich beispielsweise in die Bluesrecordings aus dem Anfang des 20sten Jahrhunderts, erspüren den musikalischen Gehalt dieser Songs und machen daraus Bluesrock. So stammt der Bandname vom “Thirsty Mama Blues”, den Hot Lips Page 1940 mit seinem Trio aufnahm. (Aber war es nicht Sleepy John Estes, der ihn schon in den 30ern eingespielt hatte? Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergründlich nennen? . . . ) Aber so richtig musikwissenschaftlich dringen die Mamas in dieses weite Feld nicht ein. Sie sind einfach schon länger in diesem Metier als die meisten anderen Bluesrocker hierzulande und kennen entsprechend viel Material. Und aus diesem Fundus lässt sich genüsslich und unendlich schöpfen.

Wir stellen uns gerne vor, dass Musik plötzlich von irgendwo her kommt und uns schockiert wie nichts, was wir zuvor gehört haben. Die größere Wahrheit ist, dass jedes Musikstück aus einem Vorläufer entsteht. Es ist eine Kette menschlicher Antworten. Die Schönheit der Musik und die Kraft der Musik liegt darin, dass sie nie standardisiert werden kann. Sie muss ein Austausch unter Menschen sein, weitergegeben von Ohr zu Ohr. Sie ist zugleich alt und unendlich neu, weil es immer Nachahmer gibt, die Stücke hören, die früher entstanden sind, die inspiriert werden und etwas Eigenes erschaffen aus dem, was sie in sich aufgenommen haben.

Stets die musikalische Tradition im Auge behaltend, ist es legitim, auch Weiterentwicklungen alter Bluessongs erneut aufzugreifen und mit heutigen Perspektiven zu versehen. Als uns die ersten Scheiben der Rolling Stones aufhorchen ließen, wie viele Titel waren da von ihnen und wie viele von Willie Dixon? Oder von Chuck Berry? Alles klar?!?

In diesem alten Blues steckt so eine Kraft!!!

Was war mit Cream? Oder aktueller den White Stripes – die haben so tief gegraben, dass sie auf Son House, eins der Vorbilder von u.a. Muddy Waters und Robert Johnson gestoßen sind und haben dann mit seinem “Death Letter Blues” einen Hit gelandet.

Man kann diesen alten Stoff gar nicht hoch genug bewerten. Seine bei oberflächlicher Betrachtung erkennbare Einfachheit ist nicht das Charakteristische. Die Reinheit und Einfachheit des Blues, seine Primitivität – das ist ein Mythos. Wie die Emotion ist auch der Blues sehr komplex. Blues ist der Gesang, der Kummer leichter machen soll, der einem ein gutes Gefühl gibt, obwohl man sich schlecht fühlt. Es ist eine unter Schmerzen geborene Musik, aber sie verschafft Genuss.

Genuss, den wir als Kids beim ersten Hören von Jimmy Hendrix, “Red House” spürten, ohne zunächst viel zu verstehen. Diese Musik ist langlebig. Sie war und ist ein Vehikel, das uns ein ganzes Leben lang vom Kummer wegschafft und Befreiung bringt. Für die Mitglieder der Thirsty Mamas war der Bluessound stets ein fester Bestandteil ihres Lebens. Mike, der Mundharmonikaspieler der Mamas konnte bei ihrem Gig auf dem Fehmarn Open Air von der gleichen Bühne auf ein Publikum schauen, dessen Teil er vierzig Jahre vorher war – Jimmy Hendrix vor Augen.